Wissenswertes zur Lohngerbung (FAQ)

Wir gerben auch Ihre Felle... Alles was Sie dazu wissen müssen haben wir hier in Fragen und Antworten verpackt. Sollte etwas unklar oder unbeantwortet sein, so kontaktieren Sie uns gerne direkt.

GRUNDLEGENDES

Lohngerbung bedeutet, dass Sie uns Ihre rohen Felle bringen und wir diese in Ihrem Auftrag gerben. Sie bekommen nach Fertigstellung Ihre Felle retour.

Pauschal kann man sagen, dass wir ziemlich alle Felle gerben können, bis zur Größe eines Hirsches. Im speziellen sind wir natürlich auf heimische Tierarten spezialisiert. Das heißt, von Marder, Fuchs, Dachs, Hase, Ziege, Schaf bis zum Reh, Gams Hirsch. Gerne können Sie uns per E-Mail oder telefonisch kontaktieren, sollten Sie eine Spezialanfrage haben.

Kuh-, Stier- bzw. Hochlandrindhäute gerben wir nicht. Wir sind darauf nicht spezialisiert und unsere Maschinen sind zu klein dafür. Für Rindfelle verweisen wir gerne auf die Gerberei Gregor Kölblinger, Bachgasse 4, 4865 Nußdorf am Attersee.

Das Rundgerben von z.B. Fuchs- und Marderbälgen oder Dachsschwarten bieten wir nicht an.

Nein. Im Gegensatz zum Präparator gerben wir nur die Haut.

Bei jeglichen Fellen dauert die Bearbeitung ca. 2-4 Monate (im Schnitt drei Monate). Für die Sämischgerbung geben Sie uns bitte 6-9 Monate Zeit.

Felle werden in sogenannten "Partien" verarbeitet. Das heißt wir sammeln, konservieren und lagern die Felle so lange, bis eine ausreichende Menge vorhanden ist. Diese Partie wird dann zusammen gegerbt. Es kann je nach Jahreszeit und Auftragslage unterschiedlich lange dauern bis eine Partie beisammen ist. Auch können Sie Glück haben, und die letzten benötigten Felle für eine Partie anliefern, oder auch Pech haben, wenn vor Ihnen gerade eine Partie in Arbeit ging.

Jedes Fell bekommt mit einem Werkzeug eine eigene Nummer eingeprägt. Jeder Kunde erhält sein gebrachtes Fell zurück.

 

DIE VERSCHIEDENEN GERBARTEN

Hier gerben wir mit Aluminiumsalzen verschiedenste Arten von Fellen und Pelzen zu Vorlegern bzw. als Dekorationsfell. Die Lederseite bleibt dabei weiß und die Wolle wird nicht verfärbt. Dies ist eine alte/klassische Methode, die wir schon sehr lange anbieten und auch am öftesten zum Einsatz kommt. Es ist auch die günstigste Variante. Die Felle sind empfindlich gegenüber Wasser und können nicht gewaschen werden.

In unserer Gerberei hat sich die Bezeichnung "Waschbar-Gerbung" für eine Gerbung mit synthetischem Gerbstoff durchgesetzt. Ein anderer Begriff dafür ist medizinische Gerbung bzw. Medizinalgerbung. Diese verwenden wir ausschließlich für Schaffelle. Die Wolle und das Leder verfärbt sich dabei leicht gelblich. Das Leder wird dadurch pflegeleichter, generell widerstandsfähiger und auch im Notfall bei bis zu 30 Grad waschbar. Besonders geschorene Felle werden gerne als Betteinlage, kuscheliges Babyfell oder im medizinischen Bereich gegen das Wundliegen verwendet.

Diese Variante, die wir nur für Schaffelle anbieten, ist eine rein pflanzliche Gerbart, wobei der Gerbstoff aus Olivenblättern gewonnen wird. Wenn Sie auf der Suche nach einem absolut nachhaltigen und hautverträglichen Gerbstoff sind ist diese Methode zu bevorzugen. Der Gerbstoff stammt aus einem Nebenprodukt der Olivenernte und muss nur noch eingesammelt und aus den Blättern extrahiert werden. Die Wolle behält bei dieser Methode seine natürliche Farbe, das Leder kann leicht bräunlich werden. Das Fell ist nicht waschbar.

Dabei wird aus den Fellen von Wildtieren (Reh, Gams, Hirsch) mittels Fischtran feinstes Leder hergestellt. Diese Gerbart ist sehr Zeitaufwendig. Das Endprodukt ist ein weiches, sehr saugfähigtes gelbliches Leder, was vor allem als Bekleidungsleder für Lederhosen zum Einsatz kommt.

Das Rehleder wird dabei beidseitig geschliffen, Hirschleder nur auf der Oberseite (Narbenseite), Gamsleder auf der Unterseite. Beim Hirschleder hat dies den Zweck, da dieses meist noch eingefärbt werden soll. Nach dem Färben wird dann erst die Unterseite geschliffen. Beim Gamsleder bleibt an der Oberseite der Narben erhalten und es wird nur die Unterseite geschliffen. Zweck davon ist, da Gamsleder an der Unterseite eingefärbt werden und dann die Oberseite (der Narben) angeschliffen werden. Damit wird das Gamsleder nicht zu dünn. Gamsleder wird zudem oft ungefärbt als Futterleder für das Hoseninnere verwendet.

Nach dem Gerben kann das Leder (Hirsch oder Gams) falls gewünscht einseitig eingefärbt werden. Möchten Sie z.B. eine Lederhose anfertigen, ist es wichtig vorher die benötigte Menge an Fellen gerben zu lassen und dann gesammelt einzufärben. So vermeidet man Farbabweichungen bestmöglich. Auch ist es so, dass Häute in verschiedenen Partien die Farbe oft anders annehmen.

Für Sämischleder sind Sommerdecken klar zu bevorzugen, da diese eine Dickere Haut haben. Die Winterdecken eignen sich aufgrund der dünneren Haut aber schöneren Haaren als Dekorationsfell mit Haar.

 

DER WEG VOM METZGER/JÄGER IN DIE GERBEREI

- Wir nehmen nur Häute an und keine kompletten Tiere.

- Die Haut muss frisch bzw. richtig konserviert bei uns eintreffen, sonst können beim Gerbprozess Haare ausfallen.

Sorgen Sie dafür, dass die Haut möglichst bald vom Tier abgezogen wird. Ist die Haut noch warm, muss Sie am besten fleischseitig nach oben ausgebreitet werden und auskühlen. Es sollte darauf geachtet werden, dass möglichst scharfe Messer verwendet werden um Schnitte und Löcher in der Haut zu vermeiden. Bitte achten Sie auch auf eine natürliche/symmetrische Form. Das alles erleichtert uns das Gerben und Sie erhalten ein schönes Endprodukt.

Entfernen Sie alle Knochen säuberlich. Das Auslösen von Pranten, Lunten, Schädeln ist nicht die Aufgabe des Gerbers.

Auf YouToube können wir z.B. dieses Video zum Thema "Fuchs abbalgen" empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=-tSkNaukMtg

Die Haut soll rasch (innerhalb von 12 Stunden) bei der Gerberei abgegeben werden, ansonsten muss sie konserviert werden. Hinweise und Tipps zur Konservierung weiter unten im Abschnitt Konservierung.

Grundsätzlich ist das möglich. Entscheidend ist die richtige Konservierung und eine kurze Paketlaufzeit. So sollten Pakete immer am Wochenanfang und nicht vor Feiertagen oder Wochenenden verschickt werden. Die Felle sind wasserdicht zu verpacken, damit die Pakethülle nicht beschmutzt oder beschädigt werden kann.

Ideal für den Paketversand sind gesalzene Felle, diese sind gut haltbar, richtigerweise nicht mehr feucht und sparen somit Gewicht und unnötiges Verpackungsmaterial. Zweitbeste Variante ist es die Felle gefroren zu schicken. Idealerweise in einer Kühlbox (ebenso wasserdicht) und so schnell wie möglich. Frische, nicht konservierte Felle dürfen nicht verschickt werden. Hier ist die Gefahr zu groß, dass die Felle beim Transportweg "ersticken", also verwesen und damit unbrauchbar werden.

Wichtig ist beim Postversand, dass Sie einen Zettel mit Ihren Kontaktdaten, Tel-Nr., Anzahl der Felle und Gerbwunsch ins Paket legen. Möchten Sie einen Rückversand der fertigen Felle auf Rechnung, so ist dies auch gleich zu notieren.

Bitte informieren Sie sich bei dem Paketdienstleister Ihrer Wahl nach deren Vorschriften. Oft sind verderbliche Waren vom Versand ausgeschlossen.

Die Haut darf nicht gewaschen werden. Nässe begünstigt den Fäulnisprozess.

Die Anlieferung ist zu unseren Geschäftszeiten möglich. Falls möglich nicht nach 17:30 oder an Samstagen.

Link zu unseren Geschäftszeiten: Öffnungszeiten

 

KONSERVIERUNG

Die Haut soll rasch (innerhalb von 12 Stunden) bei der Gerberei abgegeben werden, ansonsten muss sie konserviert werden. Idealerweise bevorzugen wir natürlich kurze Transportwege und frische Felle. Das war früher Standard, der Bauer oder Jäger hat das Fell zum Gerber vor Ort gebracht. Ist eine schnelle, frische Anlieferung nicht möglich, so müssen die Felle konserviert werden. Am besten salzen, Felle von Kleintieren lassen sich auch unkompliziert einfrieren.

Je nach Gerberei und Arbeitsweise gibt es andere Präferenzen. Können die Felle nicht frisch vorbeigebracht werden bevorzugen wir gesalzene Felle. Zweitbeste Variante ist das Einfrieren. Getrocknete Felle sind für uns schwieriger zu bearbeiten.

Grundsätzlich können alle Felle gesalzen werden. Entscheidend ist, dass die Haut möglichst fettfrei ist und das Salz ausreichend auf der Haut verteilt wird. Die komplette Haut muss bis an den Rand mit Salz bedeckt sein. Idealerweise die Haut auf einer Palette salzen. So kann das Entzogene Wasser abtropfen. Der Standort soll vor Regen geschützt und möglichst kühl sein. 

Als Faustformel beim Schaf gilt: 5 kg Salz pro Haut. Je nach Größe und Dicke der Haut reicht oft weniger. Das Salz entzieht der Haut Wasser und so den Nährboden für Fäulnisprozesse. Das Salz sollte mindestens zwei Tage einwirken, danach eventuell nochmal nachsalzen. So kann die Haut dann bis zu mehrere Monate gelagert werden ohne Schaden zu nehmen.

Als Salz kann man normales Gewerbesalz (fein), Kochsalz oder Viehsalz verwenden. Dieses ist in 25kg-Säcken z.B. beim Lagerhaus erhältlich. Kein Streusalz verwenden, da dort oft Splitt enthalten ist.

Vor allem die Felle von kleineren Tieren (Fuchs, Marder, Hase...) kann nach dem abbalgen auch zur Konservierung einfrieren, wenn ein direkter Weg in die Gerberei nicht möglich ist. Dazu das Fell locker (nicht gerollt) in einen dünnen Plastiksack geben und in der Tiefkühlung einfrieren. Idealerweise die Haut vorher von überschüssigem Fett befreien, denn dieses kann ein schnelles durchfrieren verhindern. Einmal durchgefroren bleibt das Fell bis zu mehrere Monate im der Tiefkühlung frisch.

Das Trocknen ist eine uralte und sinnvolle Möglichkeit zur Konservierung von Fellen. Wir empfehlen es nicht, da uns die harten Felle die Arbeit erschweren und weil die Methode fehleranfällig ist.